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Bratwurst und Sauerkraut - mit chinesischer Prägung

Es ist zwar nicht Donnerstag, trotzdem gab es für mich heute eines der Standardangebote des „Nr. 4 Dining House“ (das ist die Mensa, die meinem Wohnheim am nächsten liegt): Bratwurst mit Sauerkraut, klassisch ergänzt durch Kartoffelsalat und Brötchen. Zum Frühstück. Und auch nicht so, wie man das in Deutschland zubereiten würde, sondern „mit chinesischer Prägung“:

Die Wurst ist fast wie Wiener Käsekrainer, wird aber nach dem Braten wieder abgekühlt und kalt gegessen; den Kartoffelsalat macht man aus ganz feinen Stiften und würzt mit Koriander; Sauerkraut macht man aus Chinakohl (wie berraschend...) und mit etwas Chili sowie dem hier typischen sehr dunklen und malzigen Essig; die Brötchen (Mantou) sind nicht gebacken, sondern gedämpft. Das Ganze wird dann mit Stäbchen gegessen - und schmeckt übrigens ausgesprochen gut, auch zum Frühstück. Das wäre im China-Restaurant sicher ein Renner.

 

Mein heutiges Frühstück - Bratwurst mit Sauerkraut und Kartoffelsalat

So ähnlich wie mit der Bratwurst ist es hier auch mit vielen anderen Sachen. Im Prinzip sind die grundlegenden Ideen vertraut, nur die Details sind etwas anders. Die Studenten chinesischer Prägung haben dieselbe Einstellung wie die in Deutschland – sie versuchen, das Studium so zu planen, dass gute Ergebnisse mit möglichst geringem Aufwand erreicht werden können, damit mehr Zeit für Freizeitaktivitäten bleibt; nur das Verhältnis von Spaß zu Arbeit, das sich daraus ergibt, ist etwas anders als in Deutschland. Die westlich-organisierte Uni chinesischer Prägung hat dieselben Aufgaben wie die in Deutschland – einen Kompromiss zwischen dem großen Andrang und damit der zugelassenen Zahl von Studenten einerseits und den begrenzten Mitteln andererseits muss gefunden werden. Der berühmte Sozialismus chinesischer Prägung ergibt ein Alltagslebensgefühl, das dem in den USA sehr ähnlich ist – nur ohne das Gefühl der Bedrohung, denn es gibt hier deutlich weniger bewaffnete Soldaten.

Man kann also ganz leicht eine gemeinsame Basis finden und sich heimisch fühlen. Man kann aber natürlich auch die Unterschiede betrachten und sich fremd fühlen. Meistens ergibt die Situation eine Mischung aus beidem, was zu den kleinen Abenteuern und Skurrilitäten führt, die das Leben interessant machen.

Ich denke, ich sollte demnächst mal losziehen, um zum Abendessen Pflaumenkuchen zu finden, auch wenn grade kein Sonntag ist, und eine Tasse Kaffee dazu. Oder ich mache es wie die Chinesen in meinem Lieblings-Coffee-Shop und genieße zum Kaffee lieber ein Fischbrötchen. Oder das andere klassische Kaffeegebäck: Knoblauchbrot. Passt übrigens wirklich erstaunlich gut zusammen! Falls man die Kaffeepause chinesischer Prägung mal in Deutschland ausprobieren will: Das wäre doch leicht zu organisieren, also nur Mut.

Und wäre bestimmt ebenfalls ein Renner im China-Restaurant…

 

P.S.: Wer das mit den Pflaumenkuchen-Sonntagen und Bratwurst-Donnerstagen nicht versteht, hat mein herzliches Beileid ob der vergeudeten Kindheit. Für gute Sachen ist es aber nie zu spät: Einfach mal nachschauen bei Otfried Preußler.
2.4.13 10:49


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